Donnerstag, 6. Februar 2014

Feliz Navidad!

Dieses Jahr verbringe ich Weihnachten 10500 Kilometer von meinem zu Hause entfernt; auf einem anderen Kontinent, in einem anderen Land, mit einer anderen Familie. Trotz einiger bestehender Gemeinsamkeiten, ist es nicht verwunderlich, dass sich hier viele Dinge anders abspielen:
 
Bereits am 1. Dezember – ungewöhnlich früh für mich – präsentiert sich das Haus festlich dekoriert, mit einem geschmückten Christbaum im Wohnzimmer, den man seine künstliche Beschaffenheit nur aus nächster Nähe ansieht. Und nicht nur die Abuelitos dürfen sich über einen Adventskalender freuen – auch ich habe einen von der Freiwilligenorganisation geschenkt bekommen.
 
Da mich die Arbeit ziemlich vereinnahmt, komme ich erst am letztmöglichen Wochenende dazu, Geschenke einzukaufen bzw. zu basteln. Besonders in Cuenca wurde an Weihnachtsdekoration nicht gespart; überdimensionale schwer behangene Christbäume, Girlanden, blinkender Lichterschmuck … - alles, was das Herz begehrt. Auch wenn mir der weißbärtige Weihnachtsmann, der mir bei praller Sonne „Ho! Ho! Ho!“ zuruft, doch etwas unwirklich vorkommt …
 
Am 24. Dezember findet eine Parade durch ganz Chordeleg statt, die zu unserem Glück direkt am Haus meiner Gastfamilie vorbeiführt. Bereits wenige Tage zuvor ereignete sich ein ähnliches Spektakel; dieser Umzug ist jedoch von ganz anderem Kaliber: Im so genannten „Pase del niño“ (typisch in der Umgebung von Cuenca, einmalig in Ecuador) erwachen so gut wie alle bekannten Bibelgeschichten bzw. –gestalten zum Leben; auf aufwendig geschmückten Autos ziehen unter anderem Eva und Adam, Moses und Jona und der Wal an mir vorbei. Mit viel Liebe zum Detail wurden hier Kostüme genäht, Accessoires gebastelt und Essen drapiert. Doch nicht nur das – auch typische Weihnachts- und Märchenmotive, wie Elfen, Wichtel und Schneewittchen, erleben, durchwegs von Kindern und Jugendlichen verkörpert, ihren Auftritt. Immer wieder wird die Autokolonne von Tänzergruppen unterbrochen, die sich zu den Klängen landestypischer Musik bewegen. Auch ein paar jüngere Mitglieder meiner Familie nehmen an jedem Festzug teil, wobei die nachfolgenden Fotos nur einen Bruchteil jenes Großereignisses darzustellen vermögen …


 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 
Am zweiten Feiertag, den 25. Dezember, vollzieht sich das eigentliche Weihnachtsfest im Kreise der Familie und enger Freunde. Als der seit Stunden im Ofen schmorrende Truthahn aus dem Ofen genommen wird und das aufwendige Herumwerkeln in der Küche zu seinem Ende kommt, ist es zehn Uhr nachts und wir alle dementsprechend hungrig. Da mehr als dreißig Personen im Haus von Marlenes Eltern zusammenkommen, pflegt man hier „amigo secreto“ („geheimer Freund“, vgl. Wichteln) zu spielen. Ich überrasche einen Jungen mit Spielzeug und bekomme umgekehrt von Marlenes Schwester Silberohrringe und ein passendes Armband geschenkt. Wie jedes Jahr stellt jedoch Gewand das am meist verschenkte Gut dar, was wohl auch daran liegen mag, dass Kleidung hier überdurchschnittlich teuer ist.

 
 
 
 
Der dritte und letzte Weihnachtsfeiertag steht abermals ganz im Zeichen eines Festzuges, wobei ich mich dieses Mal zu den TeilnehmerInnen zählen darf … (Wie ich mir hab sagen lassen, finden in dieser Zeit des Jahres in der Sierra fast täglich irgendwelche Umzüge statt.) Wir haben uns Trachten der Cholas und Otavelnos ausgeborgt und wandern, derart eingekleidet, zu einer unweit entfernten Kapelle, wo eine Messe abgehalten wird und alle Getränke und Süßigkeiten erhalten. Am Abend genießen wir wieder ein Familienessen.





Ausblick: Besuch an der Küste - Neujahr

 

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