Dieses
Jahr verbringe ich Weihnachten 10500 Kilometer von meinem zu Hause entfernt; auf einem anderen
Kontinent, in einem anderen Land, mit einer anderen Familie. Trotz einiger
bestehender Gemeinsamkeiten, ist es nicht verwunderlich, dass sich hier viele
Dinge anders abspielen:
Bereits
am 1. Dezember – ungewöhnlich früh für mich – präsentiert sich das Haus
festlich dekoriert, mit einem geschmückten Christbaum im Wohnzimmer, den man
seine künstliche Beschaffenheit nur aus nächster Nähe ansieht. Und nicht nur
die Abuelitos dürfen sich über einen Adventskalender freuen – auch ich habe
einen von der Freiwilligenorganisation geschenkt bekommen.
Da
mich die Arbeit ziemlich vereinnahmt, komme ich erst am letztmöglichen
Wochenende dazu, Geschenke einzukaufen bzw. zu basteln. Besonders in Cuenca
wurde an Weihnachtsdekoration nicht gespart; überdimensionale schwer behangene
Christbäume, Girlanden, blinkender Lichterschmuck … - alles, was das Herz
begehrt. Auch wenn mir der weißbärtige Weihnachtsmann, der mir bei praller
Sonne „Ho! Ho! Ho!“ zuruft, doch etwas unwirklich vorkommt …
Am 24. Dezember findet eine Parade durch ganz
Chordeleg statt, die zu unserem Glück direkt am Haus meiner Gastfamilie
vorbeiführt. Bereits wenige Tage zuvor ereignete sich ein ähnliches Spektakel;
dieser Umzug ist jedoch von ganz anderem Kaliber: Im so genannten „Pase del niño“
(typisch in der Umgebung von Cuenca, einmalig in Ecuador) erwachen so gut wie alle bekannten Bibelgeschichten
bzw. –gestalten zum Leben; auf aufwendig geschmückten Autos ziehen unter anderem
Eva und Adam, Moses und Jona und der Wal an mir vorbei. Mit viel Liebe zum
Detail wurden hier Kostüme genäht, Accessoires gebastelt und Essen drapiert.
Doch nicht nur das – auch typische Weihnachts- und Märchenmotive, wie Elfen,
Wichtel und Schneewittchen, erleben, durchwegs von Kindern und Jugendlichen
verkörpert, ihren Auftritt. Immer wieder wird die Autokolonne von Tänzergruppen
unterbrochen, die sich zu den Klängen landestypischer Musik bewegen. Auch ein
paar jüngere Mitglieder meiner Familie nehmen an jedem Festzug teil, wobei die
nachfolgenden Fotos nur einen Bruchteil jenes Großereignisses darzustellen
vermögen …
Am zweiten Feiertag, den 25. Dezember, vollzieht sich das eigentliche Weihnachtsfest im Kreise der Familie
und enger Freunde. Als der seit Stunden im Ofen schmorrende Truthahn aus dem
Ofen genommen wird und das aufwendige Herumwerkeln in der Küche zu seinem Ende
kommt, ist es zehn Uhr nachts und wir alle dementsprechend hungrig. Da mehr als
dreißig Personen im Haus von Marlenes Eltern zusammenkommen, pflegt man hier
„amigo secreto“ („geheimer Freund“, vgl. Wichteln) zu spielen. Ich überrasche
einen Jungen mit Spielzeug und bekomme umgekehrt von Marlenes Schwester
Silberohrringe und ein passendes Armband geschenkt. Wie jedes Jahr stellt
jedoch Gewand das am meist verschenkte Gut dar, was wohl auch daran liegen mag,
dass Kleidung hier überdurchschnittlich teuer ist.
Der dritte und letzte Weihnachtsfeiertag steht
abermals ganz im Zeichen eines Festzuges, wobei ich mich dieses Mal zu den TeilnehmerInnen zählen darf … (Wie ich
mir hab sagen lassen, finden in dieser Zeit des Jahres in der Sierra fast
täglich irgendwelche Umzüge statt.) Wir haben uns Trachten der Cholas und
Otavelnos ausgeborgt und wandern, derart eingekleidet, zu einer unweit entfernten
Kapelle, wo eine Messe abgehalten wird und alle Getränke und Süßigkeiten
erhalten. Am Abend genießen wir wieder ein Familienessen.
Ausblick: Besuch an der Küste - Neujahr
Ausblick: Besuch an der Küste - Neujahr

















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