Eines ist gewiss: Während des
Busfahrens kommt bei mir nie Langeweile auf. Seien es Musiker, die während der
Fahrt mit Gitarrenklänge für Unterhaltung sorgen, Händler, die in höchsten
Tönen Wunder vollbringende Heilmittel anpreisen (und im Zweifelsfall mit
abschreckenden Krankheitsfotos nachhelfen), oder Frauen, die mit Essen
gefüllten Körben den Gang entlang schreiten bzw. (aufgrund der meist
halsbrecherischen Fahrweise) wanken. Ganz zu schweigen von der
Umgebung, die am Fenster vorbeizieht ... Und davon bekomme ich zum Glück etwas
mehr zu sehen, als mich diverse Ausflüge außerhalb Quitos führen:
Hinter der Bezeichnung Mitad del
Mundo - "die Mitte der Welt" - verbirgt sich eine monumentale
Steinsäule mit integrierter Aussichtsplattform, um die herum ein
künstliches (Tourismus-)Dorf entstanden ist. Zugegebenermaßen klang es für mich
auf den ersten Blick wenig reizbar. Dort jedoch auf der gelb eingezeichneten
Äquatorlinie entlang zu balancieren [siehe Foto], kam einem unvergesslichen
Gefühl gleich. Allzu oft ist die Möglichkeit ja nicht gegeben! Zeitgleich fand
ein Auftritt einer Gruppe Musiker statt, die besonders in der (Tanz-)Animation
wahre Ausdauer - und Rhythmusgefühl! - bewiesen. Am selbigen Abend komme ich
auch in den Genuss eines interessanten Gespräches mit einer im Hostal wohnenden
venezolanischen Familie, während diese mit der Zubereitung traditioneller
Arepas (runde Maisfladen; nur zu empfehlen) beschäftigt ist.
Foto von Steffi
Der Ort Otavalo
liegt nördlich von Quito und lockt mich aufgrund seines Kunsthandwerkmarktes.
Die Otavalenos zählen nicht grundlos zu den wirtschaftlich
erfolgreichsten Indigenen des Landes: In beinahe jeder Stadt Ecuadors sind sie
mit zumindest einem Laden oder Stand vertreten und exportieren auch Ware ins
Ausland. Während es täglich die Möglichkeit gibt, den Markt zu besuchen, ist
jener am Samstag der größte und am meisten besuchte. Der Platz im Zentrum des
Dorfes ist reich bestückt: Die Holzbalken der Stände biegen sich unter Bergen
an Taschen, Tücher und Decken. Auf Kleiderbügeln reiht sich eine Farbenpracht
an Ponchos und Wollpullovern und die zum Verkauf ausgebreiteten (Wand-)Teppiche
gleichen mit ihren landestypischen Motiven und Mustern einer Ausstellung in
einer Kunstgalerie. Mein Staunen setzt sich fort, als ich entlang der Tische
schlendere, auf denen sich Schmuck und Skulpturen aus Stein oder Holz reihen.
Ich muss nur einen flüchtigen Blick auf einen Gegenstand werden - schon steht
ein/eine VerkäuferIn an meiner Seite, mit zwanzig verschiedenen Ausfertigungen
jenes Stückes. Gleichzeitig bleiben sie den Touristen gegenüber immer
herzlich und aufgeschlossen und, was den Markt in meinen Augen noch
auszeichnet, ist die wohltuende Ruhe - es gibt kein Geschrei, kein Gezeter,
keinen Lärm. Ich selbst verlasse den Ort mit einer Tasche und Wollsocken -
früh genug würde ich erfahren, welch ein Gewinn dieses Kleidungsstück hier für
mich darstellt! Wir lassen den Tag in einem Restaurant ausklingen, dessen
Dachterrasse einen Rundum-Blick über das nächtliche Lichtermeer Quitos
bietet.
Ecuador
verfügt über eine Vielzahl vulkanisch gespeister Thermen - eine davon nennt
sich Papajactta. Wie man es
schafft, für eine Strecke, die normalerweise in zwei Stunden zu bewältigen ist,
doppelt so lange benötigt: Man fährt mit vier verschiedenen Bussen, missachtet
den Rat einer Einheimischen, ist ungeduldig und steht eine knappe halbe Stunde
am Rande einer vierspurigen Straße, wo man zwischen Abgas- und Staubwolke
wählen kann (Oder auch nicht.). Unser vierter und schlussendlich richtiger Bus
schlängelt sich eine unbefestigte Straße beständig aufwärts (Als hätten wir in
letzter Zeit nicht schon genug Höhenluft geschnuppert inhaliert!) und
als es schließlich auch noch zu regnen beginnt und der Nebel von allen Seiten
gegen die Fensterscheiben drückt, kommt mir nicht nur einmal der Gedanke:
"Einen halben Meter zur Seite und wir er- und höchstwahrscheinlich nicht überleben einen
Fall in die Tiefe." Bei einer unscheinbaren Häuseransammlung nehmen wir ein
Taxi, das uns einen genauso unscheinbaren Weg zu besagten Heilbad führt. Am
Eingang begrüßt uns ein mit Haube und Handschuhen ausstaffierter Mann in
Daunenjacke - die Aussicht gleich in Bikini zu schlüpfen ist folglich weniger
verlockend, als vielmehr Gänsehaut auslösend. Entgegen aller
Anfangsschwierigkeiten entpuppt sich der Ausflug jedoch als unvergleichliches
und insbesondere entspannendes Erlebnis. Die Anlage selbst besteht aus mehreren
Becken, die sich durch ihren Wärmegrad unterscheiden - eines ist sogar derart
heiß, dass ich mich nur in die Nähe der sprudelnden Quelle setzen kann und
danach im immer wieder einsetzenden Nieselregen Abkühlung suche. Im Laufe des
Nachmittags wird der Nebel dichter und schließt sich wie ein Kessel über uns.
Nach einigen Metern lösen sich die umliegenden Wälder im weißen Nichts auf und
mit dem im Hintergrund unsichtbar rauschenden Fluss meine ich, mich in einer
völlig anderen - eigenen - Welt zu befinden. Beim Rückweg holt mich wohl oder
übel abermals die Kälte ein, doch der Bus lässt auf sich warten ... In einem an
der gegenüberliegenden Straßenseite parkenden Lastwagen türmt sich eine Unzahl
an Früchten und Gemüsesorten bis an die Decke. Hier einen Überblick zu
bewahren, würde mich schwer fallen!
Am Stadtrand
Quitos befindet eine Seilbahn – teleferico
-, die mich bereits seit meiner Ankunft reizt, aber derart hoch liegt, dass ich
meinem Körper vorsorglich etwas Eingewöhnungsphase zugesprochen habe. Die Bahn
hält auf knapp 4000m Höhe und von dort ist mir ein phänomenaler Ausblick
vergönnt [siehe Fotos]. Flankiert von Berghängen erstreckt sich die Hauptstadt
weit von Nord nach Süd. Am Horizont bauschen sich Wolkentürme über Berggipfel
und es ist auf einmal empfindlich kalt. Am Bergrücken entlang, gehe – bzw. keuche
- ich einige hundert Meter weiter hinauf, wo ich mich dann im geschützten Hang
ins wogende hüfthohe Gras fallen lasse.
Ausblick:
Weiterreise – Sprachkurs in Cuenca




großartige fotos, beeindruckende landschaft. wow!
AntwortenLöscheneinen (wand)Teppich hab ich schon, aber ein wollpulli wäre fein :-)
AntwortenLöschenStimmt, beim Einkauf war ich ja sogar dabei. :D Ist notiert. (;
LöschenHallo Naomi!
AntwortenLöschenWir würden Dich gerne hören und sehen!
Wir wünschen Dir Gesundheit und Freude an jedem Tag!
Olja und Anton, Nastia und Nikita!
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