Zwischen
den drei Hauptinseln von Galapagos gibt es zwei Mal täglich Bootsverkehr (drei
Stunden in einem Motorboot auf hoher See lassen auch die Hartgesottensten in
der Regel stöhnen), den ich in Anspruch nehme, als ich San Cristobal besuche.
Mit der 8000 Einwohner zählenden Provinzhauptstadt Puerto Baquerizo Moreno gilt
sie als die zweitmeistbevölkerte Insel des Archipels und ist gemeinhin unter
dem Namen „Isla de los Lobos“ (Insel der Robben) bekannt. Tatsächlich ist das
erste, was ich zu Gesicht bekomme, eine Seelöwen bevölkerte Hafenbucht; im Meer
treiben eigens konstruierte Plattformen und in der Nähe des Anlegesteges gibt
es sogar zwei Röhrenrutschen für die Tiere.
Das
Museum „Centro de la Interpretacion“ bietet einen wissenswerten Einblick in die
Entstehung und Geschichte Galapagos sowie die Flora und Fauna der insgesamt 13
Inseln. Ein gepflasterter Weg führt von dort aus zu „Las Tijeretas“; eine
felsige Bucht mit einer Höhle, deren dunkles Gestein von roten und schwarzen
Krebsen bevölkert ist. Als ich mich mit Schnorchel und Taucherbrille ins Wasser
gleiten lasse, nähern sich zwei Seerobben, die sich verspielt necken und nur
eine Handbreit von mir entfernt tollen. Mit Robben schwimmen; was für ein
Erlebnis!
„La
Lobreria“ ist ein Strand mit hohem Wellengang (idealer Ort sowohl für Surfer
als auch für Haie …) und beliebter Robbentreffpunkt. Die meisten liegen dösend
im Sand; gelegentlich erhebt sich einer träge, robbt ein paar Meter vorwärts
und lässt sich dann ohne jeden Aufwand zu Boden plumpsen. Umgekehrt können sie
sich bei Bedarf auch recht flink fortbewegen; vor allem im Wasser sind sie
wendig und genießen es zu springen, zu spritzen und und und. Es ist einfach ein
so schöner Anblick, all die Tiere in ihrem natürlichen Habitus und in Freiheit
anzutreffen.
Im
Südosten der Insel befindet sich „La Galapaquera Cerro Colorado“, eine 2002
gegründete Schildkrötenaufzucht. Galapagos – ein Ort, der eng mit den
Riesenschildkröten verknüpft ist – bietet eine unermessliche Artenvielfalt und
der Anblick der wuchtigen Leiber und Panzer lässt mich staunen.
Haben Sie einer Schildkröte schon mal
direkt ins Gesicht gesehen? Sie lächelt. Sie scheint etwas zu wissen, was wir
nicht wissen.
Michael Ende
Alle
Inseln des Archipels sind mit verschiedenen Besucherstandorten markiert.
Befinden sich jene auf bewohntem Gebiet können sie zum Teil ohne großen
Kostenaufwand und individuell besucht werden. Manche Orte bzw. manche Inseln
erreicht man jedoch ausschließlich im Zuge einer Tour mit ausgebildeten Guide.
Auf San Cristobal nehme ich an zwei Exkursionen teil:
„Kicker
Rock“ oder auch „Leon Dormido“ (Schlafender Löwe) nennt sich ein gewaltiger aus
dem Meer ragender Felsen, den ich mit einer Gruppe von etwa zehn Leuten mit
einem Motorboot ansteuere. Auf den Weg dorthin entlang der Küste werden wir auf
viele verschiedene Vögel aufmerksam gemacht; der berühmte „Piquero Patas
Azules“ mit seinen himmelblauen Füßen, die „Fragata Comun“ mit ihrem roten
Kehlkopfbalon, ein wunderschön gelber Kanarienvogel namens „Canario Maria“ …
Als Vogelkenner und –liebhaber schwelgt man in Galapagos im Paradies; nur
schade, dass ich in dieser Hinsicht so wenig bewandert bin. Mit Neoprenanzüge
gegen die Kälte des Meereswassers queren wir schnorchelnd eine Schlucht, die
durch einen zweiten spitzen Felsen, einige Meter vom „Mutterfelsen“ entfernt,
entstanden ist. Sowohl über als auch unter mir verliert sich mein Blick in
schwindelerregende Höhe bzw. Tiefe. Insbesondere an der Felswand tummeln sich
Unmengen von Fischen; ein- oder mehrfarbig, schillernd, gestreift, groß, klein,
bauchig, länglich … Während ich für die Meeresschildkröten nur ein Staunen
übrig habe, flößen mir die ausgewachsenen Haie, die unter mir andächtig ihre
Kreise ziehen, zusätzlich eine Spur Angst ein. Einmal meine ich, mich über
wogendes Seegras hinwegzubewegen, bemerke aber kurz darauf meinen Irrtum – ein
von Millionen, nein, Milliarden Fischen bevölkerter Schwarm versperrt mir die
Sicht. Einzig allein das Auftauchen der Haie stellt eine Möglichkeit dar, eine
Schere in die undurchdringliche Masse zu bahnen.
Meine
zweite Tour mache ich im Rahmen von „Discovery“; so nennt sich ein erster
professioneller Tauchgang, den man in Galapagos nicht wie normalerweise in
einem Schwimmbecken, sondern gleich im offenen Meer absolvieren darf. Nach
einer ersten Einweisung bemühe ich mich mit meinem halben Körpergewicht am
Leibe (Sauerstoffflasche, Bleigürtel etc.) ins Wasser. Ich genieße die beiden
Tauchgänge von jeweils 30 Minuten in sieben bis zehn Meter Tiefe bis auf die
letzte Sekunde. Was für ein unglaublich schwereloses und freies Gefühl! Mit
meinem Tauchlehrer passieren wir etliche Fischschwärme, bekommen eine unterarmgroße
Wasserschnecke, Seesterne und Meeresschildkröten zu Gesicht … Durch die Atmung
steigen Wasserblasenwolken an die Oberfläche; davon angelockt nähern sich
Seerobben, die mit den Blasen spielen, um uns herumflitzen und mich
gelegentlich mit ihren Flossen anstupsen.
Ausblick:
Galapagos – dritte und letzte Insel – Natur pur


















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