Dienstag, 22. Juli 2014

Arbeitsresümee im Mai

Da ich aus familiären Gründen der Fundacion ein paar Tage fern blieb und auch mein Urlaub in jenen Monat fiel, präsentiert sich das Arbeitsresümee im Mai eher dürftig. Nichtsdestotrotz wurde in Terapia Ocupacional Kreatives vollbracht:
 
Da sowohl Mai als auch Juni ganz im Zeichen von Familie standen, malten die Abuelitos Zeichnungen mit typischen Motiven – Vater, Mutter, Kinder, Großeltern … - aus. Des Weiteren legte ich einen dicken Ordner an, in dem ich all die über das Jahr angesammelten Werke themenbedingt einordnete. Das traf sich mit der Putz- und Aufräumaktion, die wir in Terapia Ocupacional realisierten und die bereits bitter nötig gewesen war …
 
Auf Anfrage der Schwestern fertigte ich mit den Abuelitos einen breiten Schriftzug an, den wir in Kleinstarbeit mit bunten Papierkügelchen beklebten. Nun hängt ein AVE MARIA neben der Heiligen Jungfrau im Essenssaal. Halleluja!
 
Auch wenn ich es tunlichst vermied, daran zu denken, war das Ende meines Arbeitsvertrages – und der damit verbundene Abschied von den Abuelitos – mittlerweile in greifbare Nähe gerückt. Mit einer vagen Idee im Kopf – schließlich will das bei rund 40 Abuelitos und vielen Angestellten vorab geplant sein – startete ich mein Vorhaben Abschiedsgeschenke: Die Abuelitos halfen mir mit einer Flechtarbeit aus bunten Papierstreifen, die einiges an Fingerspitzengefühl abverlangte … mitunter waren wir so konzentriert bei der Sache, dass es mucksmäuschenstill war. Darüber hinaus flochten wir mit Wollfäden unterschiedlichster Farbe, Länge und Breite.
 
Anlässlich des „Día de la Madre“ (Muttertag) besuchten wir mit den Abuelitos eine Veranstaltung mit Gesang und Geschenkeaustausch im Colegio. Sonntags, also am eigentlichen Festtag, überraschte ich die Abuelitos mit selbstgebackenen Keksen in Herzform, die jeder in einer kleinen Tüte überreicht bekam.


 
 
Abgesehen von all dessen kamen natürlich auch Ballspiele, Bingo, Geschichtenerzählen etc. nicht zu kurz, doch dazu habe ich mich ja bereits zu Genüge in den vorangegangenen Resümees geäußert.
 
 
Ausblick: Día de la Familia – Festgelage in der Fundacion
 
 

Sonntag, 20. Juli 2014

Esmeraldas [Part Zwei]

… jenen Namen trägt die nördlichste Küstenprovinz Ecuadors, in der die Mehrheit der afroamerikanischen ecuadorianischen Bevölkerung ansässig ist.
 
Die Ortschaft Cojimies liegt auf einer Halbinsel; der Weg dorthin führt direkt am Meer entlang, mit Blick auf endlose palmengesäumte Sandstrände. Bei meiner Ankunft ist deutlich sichtbar, dass sich hierher nicht viele Ausländer verirren, nichtsdestotrotz fühle ich mich sogleich freundlich aufgenommen – kaum bin ich aus dem Bus gestiegen, nähert sich mir ein älterer Mann, um mich im Namen des Dorfes zu begrüßen und mir einen angenehmen Aufenthalt zu wünschen. Die Hilfsbereitschaft und auch Neugierde, die mir entgegen gebracht wird, setzt sich allerorts fort – sei es im Hostal, in den Geschäften oder im Internetcafé. Von einer Gruppe streunender Hunde begleitet, schlendere ich durch die Sandstraßen der Siedlung, auf der Suche nach einer Unterkunft – schließlich fündig geworden, drückt man mir dort neben Schlüssel, Seife und Handtuch, auch das Neue Testament in die Hand. Cojimies liegt an einem Ebbestrand; bei Flut ist dieser so gut wie nicht benutzbar. Über den abendlich einsetzenden Regen freue ich mich sogar – anders als in der Sierra ist Regen an der Costa nämlich eine erfrischende Abkühlung und beschwört keine Kälte hervor.


 
 
 
Nach einer etwas umständlichen Fahrt in drei Bussen und einem Sammeltaxi durch allertiefste und allergrünste Vegetation erreiche ich das fernab gelegene Dorf Mompiche. Während meines (länger als geplant währenden) Aufenthaltes mausert sich Mompiche zu meinem Lieblingsort an der ecuadorianischen Küste. Das liegt schon allein an der Architektur: mehrheitlich genütztes Baumaterial ist Holz, insbesondere Bambus, und grober Stein; Palmwedel überdachen Hauseingänge, Pflanzen ranken sich über Fassaden, Moskitonetze bauschen sich im Wind und Hängematten baumeln auf Balkonen. Neben dem dorfeigenen Strand, der sich entlang der gesamten Bucht erstreckt, besuche ich den „Playa Negra“, einen Kilometer Fußweg entfernt. Jener magische Ort hat seinen Namen wahrhaftig verdient – der Sand ist pechschwarz, was einen schönen Kontrast zu den roten Krebsen bildet, die über den Strand huschen. Wie fein geriebener Graphit fühlt sich der Sand unter meinen Fingern an und hervorbrechende Sonnenstrahlen lassen den Untergrund schimmern und glitzern. Einer Landstraße weiterfolgend, vorbei an affenbevölkerten Riesenbäumen, endet jene am Ufer eines Flusses. Portete nennt sich die Nachbarsiedlung, die sich auf einer dem Festland vorgelagerten kleinen Insel befindet. Was diese Insel zur Ruheoase Nummer Eins macht? Es gibt dort nichts weiter als Sand, Palmen, Meer und eine kleine Häuseransammlung.


 
 
 
 
Portete
 
 
 
 
 
 
Und weiter geht es, immer hinauf in den Norden. Nächsten Halt mache ich in Muisne. Nach einer kurzen Überfahrt mit dem Motorboot, hier gemeinhin als „lancha“ bekannt, lande ich auf der autofreien Insel, die mit ihren dreirädrigen, durch die Gassen düsenden Transportfahrzeugen ein ganz eigenes Flair versprüht. Eine schnurgerade Straße führt durch das Dorfzentrum von einer Inselseite auf die andere, wo sich der (zeitweise von Treibgut verschmutzte) Strand mit einigen Restaurants und Bars befindet. Nach dem Schließen erster Bekanntschaften, was (vor allem an der Küste) nicht schwer ist, da einem die Leute mit einer Herzlichkeit begrüßen, die nicht von dieser Welt ist, werde ich zu einer Kokosnussernte eingeladen. Mehrere Stunden lang klettert ein Junge, mit nichts als einer Machete und einem Seil zum Runterlassen der Ernte, eine Palme nach der anderen hinauf, während zwei ältere Männer die Früchte entgegennehmen. Es gibt Exemplare, die bis zu 30 oder gar 50 Meter hoch werden, und dem barfüßigen Kletterer merkt man die Anstrengung auch nach drei Stunden nicht im Geringsten an. Coco. Coco. Coco. Ein großes Thema oder vielmehr Geschäft! Handwerker nützen die Schale um von Ohrringen bis hin zu Lampenschirmen ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Neben purem Kokoswasser oder –fleisch wird allerlei mit Kokosmlich gekocht – Spaghetti mit einer Tomaten-Kokosmlich-Soße, Reis verfeinert mit Gemüse und Kokosmilch … Que rico! Und manch einer versteht sich auch darauf, aus den feinen langgliedrigen Palmwedeln Tiere oder Kopfbedeckungen zu flechten zaubern.


 
 
Atacames überzeugt mich hingegen so gar nicht. Überrascht in einer richtigen Stadt gelandet zu sein, ist alles reichlich touristisch – unzählige Hotelkomplexe, Restaurants und Verkaufsstände säumen den mir wenig attraktiv erscheinenden Strand. Wie es hier wohl erst in der Hochsaison zugehen mag?
 
Esmeraldas ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und markiert, unweit der Grenze zu Kolumbien gelegen, das vorläufige Ende meiner Reise. Von mir nur angesteuert, weil von dort aus Busse ins zwölfstündig entfernte Cuenca abfahren, schlage ich die Wartezeit im Busterminal der Stadt tot. Esmeraldas lockt mit keinerlei Sehenswürdigkeiten; hinzu kommt eine Raffinerie, die seit der Stadterweiterung direkt im Wohngebiet zu liegen scheint und Hitze und Abgase mit ihrem beißenden Geruch anreichert. Umso mehr überzeugen mich die dort typischen süßen Spezialitäten mit viel Zucker, viel Kokos und vielen Nüssen; die „cocadas“, in Weiß oder Braun, sind eine davon („cocaderos“ nennen sich die landesweit bekannten Verkäufer).
 
 
Ausblick: meine Arbeit im Mai – ein Resümee
 
 

Dienstag, 15. Juli 2014

Ruta del Sol [Part Eins]

Ende Mai, mir eine kleine Auszeit von der Arbeit nehmen, statte ich der Küste Ecuadors einen Besuch ab. Während der Fahrt erlebe ich einmal mehr den beeindruckenden landschaftlichen und klimatischen Wechsel von Hochland und Küstengebiet [siehe Blogeintrag "Guayaquil"]. In der ruhelosen Metropole Guayaquil halte ich mich lediglich im Busterminal auf, der als der größte Südamerikas gilt – über mehrere Stockwerke hinweg starten in Minutentakt Busse in alle Himmelsrichtungen …
 
Mein erstes Ziel ist das Fischerdorf Puerto Lopez, das ich bereits vor einigen Monaten besucht habe [siehe Blogeintrag "Flaschenpost"]. Mit einer Hand am Steuer und der anderen am Handy – seiner Frau versichernd, rechtzeitig zum Abendessen zu Hause zu sein -, brettert der Busfahrer eine kurvenreiche Landstraße entlang, sich in waghalsigen Überholmanövern übend. Am Strand von Puerto Lopez wirbelt eine fußballspielende Gruppe Kinder Sandwolken auf, während Fischer ihre Netze auf Vordermann bringen und kreischende Möwen heimkommende Boote ankündigen. Und als sich alle in der Kirche zur Messe eingefunden haben, gibt es Stromausfall – aber nur keine Eile; bis sich die Zuständigen finden lassen, vergehen gut zwei Stunden, in denen die komplette Siedlung in Dunkelheit daliegt. Hupende Tuk-Tuk-Taxis mischen den sowieso schon chaotischen Verkehr gehörig auf und statt „Achtung kreuzendes Wild“, tragen hier die Verkehrsschilder Abzeichen von Schildkröten …
 
Strand „Los Frailes“ – Nationalpark Machalilla

 
 
 
 
 
 
 
 
 
Montecristi gilt als Kunsthandwerkszentrum, vor allem hinsichtlich der Sombreroherstellung. Abgesehen davon bietet die Kleinstadt eine hübsche terrassenförmig angelegte Parkanlage, die in ein Museum und Mausoleum mündet. Hier befindet sich die letzte Ruhestätte von Eloy Alfaro, der als Anführer der Liberalen Revolution als eigentlicher Befreier Ecuadors berühmt geworden ist.


 
 
Es geht weiter hinauf in den Norden, immer entlang der Küste. Bahia de Caraquez ist eine touristische Hafenstadt, deren Aussichtspunkt einen Rundumblick über sich weit brechende Wellen, eine von Wohnhäusern bevölkerte Landzunge und eine breite Flussmündung bietet. Die Strandpromenade liegt noch verlassen da; Mai gilt als „temporada baja“ und bei den vorherrschenden Temperaturen haben sich alle so weit wie möglich in den Schatten zurückgezogen, von Trägheit erfasst und mit Ventilatoren oder anderen Hilfsmittel einer frischen Brise hinterherhechelnd.
 
Eine Fahrtstunde entfernt liegt Canoa. Jenes Dorf bietet aufgrund eines stetig herrschenden Windes optimale Bedingungen zum Surfen und Paragliding. In den Genuss letzterer Aktivität komme auch ich: Kurzentschlossen nähere ich mich einem Paraglider, der gerade gelandet ist, und äußere mein Interesse, ebenfalls fliegen zu wollen. Er: „Ahora?“ Ich: „Porque no?“ So schnell kanns gehen. Beim Anlegen des Equipments flattern mir kurz die Nerven, aber sowohl beim Start, als auch beim eigentlichen Flug und der Landung am Strand habe ich nicht eine Sekunde Angst. Auf gleicher Höhe mit den Vögeln, die untergehende Sonne am Horizont, unter mir das Meer und ein kilometerlanger, sich in der Ferne verlierender Sandstrand … Es ist ein unbeschreiblich freies Gefühl!


 
 
 
 
 
 
 
Ausblick: Ecuadors Küste – Fortsetzung folgt …

Sonntag, 13. Juli 2014

Auf Schienen

Busse sind das Transportmittel Nummer Eins in Ecuador. Jedes noch so ferne Dorf, jede noch so kleine Häuseransiedlung wird im Normalfall von einem Bus angesteuert. Als Faustregel gilt 1 Dollar (umgerechnet etwa 0,70 Euro) pro Fahrtstunde; ein- und aussteigen kann man im Grunde an jedem beliebigen Ort. Ein Passagierlimit gibt es nicht – es werden so lange Mitfahrer aufgenommen, bis man sie in Gepäckfächer und unter den Sitzen zu verstauen beginnt. Die Frage, ob noch Plätze zur Verfügung stehen, wird immer bejaht – ist ja auch nicht gelogen; die Frage ist vielmehr, ob sie noch frei sind … Und erkundigt man sich, wann der Bus abfährt, lautet die Antwort in jedem Fall „In fünf Minuten!“ – egal, ob sich daraus noch weitere zwanzig oder dreißig Minuten Warterei ergeben. Bei Langstrecken erwischt man meist recht komfortable, moderne Busse, bei Kurzstrecken begibt man sich mitunter jedoch in halsbrecherische Gefährte, deren einzige Busähnlichkeit nur noch in dem Umstand besteht, dass sie auf Rädern über die Straße rollen … Was soll ich sagen? Ich liebe Busfahrten. In diesem Jahr habe ich so viele Stunden darin angesammelt, dass es für drei Leben reichen würde, doch ich werde es nicht müde. Klebe ich nicht mit der Nase am Fenster, um die vorbeiziehende Umgebung in Augenschein zu nehmen, findet sich immer ein netter Sitznachbar mit dem sich ein Gespräch lohnt.
 
Nun möchte ich auf ein ganz anderes Transportmittel zu sprechen kommen: Züge. Hier scheint eine interessante Entwicklung vonstattengegangen zu sein, die sich nicht nur auf Ecuador, sondern auch andere lateinamerikanische Länder (z.B. Argentinien) bezieht: Es gab eine Zeit, in der der landesweite Schienenverkehr recht gut ausgebaut war; darauf folgten jedoch massive Stockungen und Stilllegungen. Im Laufe der letzten Jahre starten abermals Bestrebungen, jenen Transportweg zu fördern. Nach wie vor ist er in Ecuador hauptsächlich touristischen Zwecken vorbehalten (und verhältnismäßig teuer), aber auch das soll sich ändern … Übrigens: Kommt die Sprache auf Europa, ruft das bei den meisten hier Assoziationen mit Zügen hervor.
 
An einem Wochenende im Mai fahre ich mit einer Gruppe Freiwilliger an die Küste, um dort an einer zweistündigen Zugrundfahrt teilzunehmen. Duran nennt sich die florierende Kleinstadt kurz vor Guayaquil, in der sich ein Bahnhof mit antiken Loks befindet. Da sich der Zug nur zwei Mal täglich in Bewegung setzt und es zwar Ampeln sowie Warnschilder gibt – all das aber im vorherrschenden Verkehrschaos gerne ignoriert wird -, werden wir von drei Polizisten auf Motorrädern begleitet, die den Zug durch das Stadtgetümmel manövrieren. Wir fahren durch ärmliche Wohnsiedlungen, die unter einer immerwährenden Hitzeglocke brüten; Abfall türmt sich nachlässig auf den Bordsteinen, der Fluss gleich einer braunen Brühe, Kühe weiden in Müllbergen und Hunde begrüßen uns mit kläffenden Gebell. Dies hinter uns lassend zieht sich die Strecke schnurgerade durch Reisfelder; zum Teil in sattgrün schimmernder Blüte stehend, zum Teil bewirtschaftet oder brach liegend. Die Räder von Traktoren pflügen sich schwerfällig durch das Wasser und Vögelkolonien besprenkeln als weiße Farbtupfer ein Meer an Halmen. Während der letzten Wochen hat eine große Niederschlagsmenge das Land heimgesucht; teilweise stehen die Häuser auf einsamen Inseln inmitten der Reisfelder, in deren Wasser sich die Sonne reflektiert. Flatternd stöben Reiher vor uns auf, Riesenleguane sonnen sich auf Felsgestein und schallendes Kinderlachen begleitet uns …


 
 
 
 
 
 
 
 
Ausblick: Sonne, Strand und Meer – Reise an die Küste

Montag, 23. Juni 2014

Arbeitsresümee im April

Semana Santa oder auch Semana Mayor, Spanisch für Karwoche, gilt als das bedeutendste religiöse Fest im Jahr und nimmt, entsprechend der Gläubigkeit der Abuelitos, einen großen Stellenwert im April ein. Nachdem wir bereits im Vormonat einen Schriftzug angefertigt hatten, malten wir nun zu allen acht Tagen – von Domingo de Ramos, über Jueves Santo, bis hin zu Domingo de la Resurreccion – Bilder mit typischen Motiven aus. Eine schreibfähige Abuelita verfasste Kurzbeschreibungen, die ich anschließend mit den Werken an eine tragbare Wand im Eingangsbereich hängte. Wie immer war es mir sehr wichtig, dass die Arbeit ausschließlich in den (kreativen) Händen der Abuelitos liegt; ich schritt lediglich bei heiklen Dingen, wie dem Schneiden von Papier, ein. Und wer hätte je gedacht, dass ich die Tage der Karwoche sogar im Schlaf beherrschen würde …


 
 
 
 
 
Eine Handarbeit, die mir ebenfalls sehr am Herzen lag, waren die Nummern und Buchstaben, die wir aus einer Salz-Mehl-Wasser-Masse formten und bemalten. Bereits die Herstellung zeigte mir, welche Abuelitos noch gut darüber im Bilde sind, wem das Gedächtnis im Stich lässt und wie man auf diese Art und Weise die Erinnerung wieder etwas auffrischen kann … Gehärtet und getrocknet dienen die Figuren nun dem Bilden von Zahlenreihen und Wörtern, Rechnen, etc.
 
Abgesehen von weiteren Beschäftigungen in Terapia Ocupacional sowie Bewegungsübungen bzw. –spielen in Terapia Fisica (absoluter Favorit: „aplauso de la lluvia“ – „Applaus des Regens“, wo mit unterschiedlicher Klatschtechnik das An- und Abschwellen eines Regengusses imitiert wird), ist das Spielen von BINGO regelmäßig ein großer Spaß. Es herrscht einfach so eine ausgelassen freudige Stimmung, wenn sich alle im Essenssaal einfinden, wie wild die Namen von Früchten durcheinandergerufen werden (gespielt wird nämlich mit Obstnamen statt mit Zahlen), jemand „Bingo!“ ruft und es dann doch nur falscher Alarm ist und man von allen Seiten gebraucht wird, da das Seh- und Hörvermögen der meisten Abuelitos mangelhaft ist. Normalerweise finde sich auch immer jemand, der Bonbons oder Kekse als Preis spendet.
 
Beim Auskörnern von diversen Hülsenfrüchten sind die Abuelitos gerne helfend zur Stelle. Diesen Monat stand unter anderem Mais auf dem Programm, der für „(H)umitas“ benötigt wurde. Jene ecuadorianische Spezialität besteht aus einer ähnlichen Masse, wie die der Tortillas [siehe letzter Blogeintrag]; die Paste auf Basis von Süßmais wird in Maisblätter gewickelt, gekocht und anschließend damit serviert.
 
Zur selben Zeit laufen die Vorbereitungen für den Umzug, anlässlich des Gründungsjahrestages Chordelegs, auf Hochtouren. Und das bekomme ich mit den Abuelitos auf teilweise ohrenbetäubende Weise zu spüren – eine Horde Schüler, die unkontrolliert auf Trommeln schlägt und Trompeten bläst, strapaziert, über Wochen hinweg, ganz schön die Geduld. Mitte April ist es endlich soweit – alle Schulen, sowie örtlichen Vereine und gemeinnützige Einrichtungen nehmen an dem mehr als zweistündig dauernden Umzug durch das gesamte Dorf teil. (Wenn es bereits in so einem kleinen Ort, wie Chorde, derart ausufert, wie mag es dann erst im mehr als doppelt so großen Nachbardorf zugehen …?!) Und geht es um Festlichkeiten, werden hier keine halben Sachen gemacht – da wird Feuer gespuckt, sich auf Stelzen geschwungen, zu Pferd geritten, in aufwendigen Kostümen getanzt, ...


 
Mit einer Freundin und Tänzerin des Colegios
 
 
 Mit den Studentinnen/Psychologinnen der Fundacion
 
 
Ausblick: Zugreise durch Reisfelder

Dienstag, 17. Juni 2014

Feliz cumpleaños!

An einem Wochenende überrasche ich die Abuelitos mit selbstgemachten Tortillas; neben Empanadas einer der Spezialitäten des Landes schlechthin. In jedem Markt und an jeder zweiten Hausecke gibt es sie zu erstehen – Tortillas de Maiz (dt. Mais), Tortillas de Trigo (dt. Weizen) und Tortillas de Choclo (dt. Zuckermais), jeweils mit Quesillo (dt. Frischkäse?!). Nachdem ich am Vortag Einweisungen von einer der Angestellten der Fundacion bekommen habe, starte ich mit Hilfe von Hugo, der, wie ich, zwar Erfahrung im Verzehr, aber keineswegs in der Zubereitung besitzt, das Vorhaben „Tortilla“.
 
Mais, angebaut im stiftungseigenen Garten, geerntet von einem rüstigen Abuelito, wird in Gemeinschaftsarbeit ausgekörnt und im Anschluss daran mit einer handbetriebenen Maschine zu einer Paste verarbeitet. Hinzugefügt werden weitere Zutaten, wie Eier, Zucker und Butter. Auf einem heißen Stein brutzelt die dickflüssige Masse zu goldbraunen, annähernd runden Fladen heran. Dem raschen Verzehr nach zu urteilen, sind uns die Tortillas, die in der Regel mit Kaffee serviert werden, gut gelungen und ein weiteres Mal lässt wohl nicht lange auf sich warten …


 
 
 
 
Jener esskochintensive Samstag fällt zufälligerweise auf meinen Geburtstag. Am frühen Abend stoßen meine Gastmutter und eine ihrer Schwestern mit Kuchen und Ständchen zu uns hinzu. In den Genuss eines (süßen) Brauches komme ich unerwartet, als ich mit am Rücken verschränkten Armen einen ersten Biss von der Süßspeise nehmen will und schließlich, nach einem kleinen Stups seitens meiner Gastmutter, mit dem Gesicht in der Torte lande.
 
Da meine Gastfamilie derart viele Personen umfasst und es dementsprechend nicht an Geburtstagen mangelt, wird das Geburtstagskind normalerweise mit Essen und Kuchen gefeiert; ein Fest und Geschenke gibt es nur für die Allerjüngsten.
 
 
Ausblick: Was sich so im Arbeitsmonat April zutrug …?!
 

Samstag, 7. Juni 2014

Nebulös

In diesem Eintrag gibt es mehr Bilder als Worte. Mit dem Auto eines Freundes (Da ich sonst immer mit den Bus unterwegs bin – was für ein Luxus!) steuern wir einen Wasserfall bei Giron, ein Ort im Hochland Ecuadors, an. Im Anschluss daran vertreten wir uns die Beine bei einem nahe gelegenen See. Mir bietet sich ein verwunschenes Schauspiel, als am Nachmittag Nebel aufzieht und, uns jegliche Sicht nehmend, das Gewässer mit dichten Fängen umwabert. Doch so schnell, wie er gekommen ist, verschwindet er auch schon wieder und zieht sich in tiefere Lagen zurück …


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ausblick: Kochen in der Fundacion – Geburtstagsüberraschung